Omnigram_3x3

Robert Bodnar in Zusammenarbeit mit: Marek Bozuk / Alexander Meiksner

2019

Maße variabel

Omnigrafie:
Alles ist Zeichen. Und dementsprechend lässt sich alles zeichnen – gr.: omni graphein. Sprich, die Omnigrafie versucht (nebst einer methodischen Operationalisierung der Phantasie für Zwecke der Wissenschaft) eine Umkehr des klassischen künstlerischen Prozesses zu bewerkstelligen: anstatt ein einzelnes konkretes Werk mit gewissen verwendeten Zeichen zu erfinden, konstruiert die Omnigrafie auf kombinatorischem Wege alle möglichen Werke einer bestimmten Zeichengruppe.

An diesem Punkt angelangt, fangen nun die Probleme an. Weder lassen sich vollständige Mengen auch nur einer halbwegs größeren Gruppe von Zeichen tatsächlich konstruieren, da die permutierten Kombinationen schier ungeheure Ausmaße erreichen (Zahlen-Größenordnungen wie die vielfache Anzahl aller Atome des Universums sind keine Seltenheit), noch können wir sinnvolle Kombinationen von „unsinnigen“ ohne weiteres unterscheiden: der Großteil aller möglichen Kombinationen ist vmtl. eher eine Art „Zeichenmüll“ als etwas, das wir als Werk bzw. Objekt bezeichnen würden. So wäre ein vollständiges Omnigramm eines z.B. herkömmlichen Fotos, also alle möglichen Pixel-Kombinationen eines Fotos, nicht nur jenseits der Berechenbarkeit (transcomputational), sondern der Großteil der konstruierten Fotografien würde wahrscheinlich dem weißen Rauschen eines Fernsehers entsprechen bzw. etwas Ähnlichem. Nichtsdestotrotz würde sich auch das Porträt jedes Menschen, also aller vergangenen, gegenwärtigen, zukünftigen und nie existierenden Menschen, in der Gesamtmenge befinden und das in allen erdenklichen Variationen – allerdings ohne einfach so „auffindbar“ zu sein.